Günter Thiele, Informationstexte in der produktiven Medienarbeit: Qualitätskriterien

Materialien für den Kursgebrauch

Vorbemerkung

In der Medienpädagogik arbeiten wir mit einem erweiterten Textbegriff. Das "Erstellen und Lesen von Texten" umfaßt also neben schriftsprachlichen Arbeiten ("Texte" im herkömmlichen Sinne) z.B. auch Filme, Hörstücke und Multimediaanwendungen. Die folgenden Qualitätskriterien beziehen sich dementsprechend auf Informationstexte aller Art.

Relevanz

Das Thema ist für die Zielgruppe bedeutsam, von hoher gesellschaftlicher Bedeutung oder soll ihr aus anderen explizit angegebenen übergreifenden Gesichtspunkten nahe gebracht werden.

Aktualität

Es gibt einen aktuellen Anlass für die Veröffentlichung:
a) Die Berichterstattung erfolgt zeitlich nah zu einem für die Zielgruppe relevanten Ereignis.
b) Es gibt einen aktuellen öffentlichen Anlass (z.B. Presseberichte, Gerichtsverfahren), zu einem latent aktuellen Thema mit hoher gesellschaftlicher Bedeutung (z.B. Arbeitslosigkeit, Fremdenfeindlichkeit) zu berichten.
c) Der aktuelle Bezug wird durch Ergebnisse eigener Recherchen hergestellt.

Richtigkeit

a) Der Text gibt präzise Angaben zu den "journalistischen W" (Wer? - Was? - Wann? - Wo? - Wie? - Warum?).
b) Er enthält keine sachlichen oder logischen Fehler.
c) Unterschiedliche Meinungen zum Thema werden vollständig und ohne Verzerrungen wiedergegeben.
d) Die Quellen der Informationen werden benannt.

Verständlichkeit / Vermittlung

Einfachheit

Der Text besteht überwiegend aus kurzen, einfachen Sätzen. Schachtelsätze werden weitgehend vermieden.
Es werden überwiegend der Zielgruppe geläufige Wörter benutzt.
Der Zielgruppe fremde Fach- und Fremdwörter werden erklärt und veranschaulicht.
Auf umständliche und abstrakte Substantivierungen wird verzichtet.
Ironie, Unter- und Übertreibungen werden vermieden.
Verschleiernde Begriffe (z.B. Gebührenanpassung, Arbeitnehmerfreisetzung, Verschlankung der Produktion) werden nicht benutzt oder deutlich in ihrer Funktion gekennzeichnet.

Gliederung/Ordnung

Der Text ist inhaltlich klar gegliedert.
Gedanken werden folgerichtig aufgebaut.
Zwischen wesentlichen und unwesentlichen Aussagen wird deutlich unterschieden.
Der Text ist durch Absätze, Hervorhebungen, Zwischenüberschriften und/oder Zusammenfassungen übersichtlich gegliedert.

Kürze/Prägnanz

Der Text beschränkt sich auf wesentliche Aussagen.
Weitschweifigkeit wird vermieden.
Jedes Wort im Text hat eine Funktion.
Sprachliche Bilder (Metaphern) werden zurückhaltend eingesetzt. Auf vieldeutige Alltagsmetaphern (z.B. "eine Hürde nehmen", "ausbremsen", "Paroli bieten"), Redewendungen und Sprichwörter wird weitgehend verzichtet.
Unter Berücksichtigung von Genre und Informationsziel ist der Text so kurz wie möglich.

Anregende Zusätze

Zitate, Personalisierung von Geschichten oder Service-Informationen werden begrenzt zur Gewinnung von Interesse und Aufmerksamkeit genutzt. Art und Ausmaß sind auf Zielgruppe und Genre bezogen.

Gestaltung des Produkts

Der Text ist optisch (ggf. auch akustisch) angemessen gegliedert.
Er nutzt themen- und zielgruppengerecht mehrere Textsorten. (Schriftsprachlicher Text enthält z.B. Fotos und/oder Grafiken)

Wahl des Genres

Das gewählte Genre ist der Zielgruppe und der Vermittlungsabsicht angemessen.

Das Arbeitsblatt wurde zusammengestellt nach

Ahlke, K., Hinkel, J., Sprache und Stil - Ein Handbuch für Journalisten, Konstanz 2000 (2.Aufl)
Langer, I., Schulz von Thun, F., Tausch, R., Sich verständlich ausdrücken - Lernmaterialien, München 1999 (6.Aufl)
Schatz, H., Schulz, W., Qualität von Fernsehprogrammen - Kriterien und Methoden zur Beurteilung von Programmqualität im dualen Fernsehen, in: Media Perspektiven 1992, H. 11, S.690 - 712