Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur, Stellungnahme zur Förderung von Medienkompetenz in Deutschland (2013)

Im Rahmen der Bestandsaufnahme zur Medienkompetenz-Förderung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, die von der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur, gefördert durch das Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erstellt wurde, spricht sich die GMK für folgende Konsequenzen aus:

1. Medienkompetenz muss in Deutschland als Querschnittsaufgabe anerkannt werden.

Dies muss bereits im frühen Alter beginnen, unterschiedliche Entwicklungs- und Altersstufen berücksichtigen und an der Lebenssituation von Familien in Deutschland ansetzen. Angesprochen werden sollten alle Bürgerinnen und Bürger, denn alle Erwachsenen in modernen Gesellschaften sind von der Digitalisierung betroffen. Besonderer Aufmerksamkeit bedürfen bildungsbenachteiligte Familien, Familien mit Migrationshintergrund, Seniorinnen und Senioren sowie Menschen mit Einschränkungen.

2. Um dies zu realisieren, muss Medienkompetenz in der gesamten Bildungskette verankert werden.

Dies bedeutet, dass Medienpädagogik bereits in der Früherziehung in Familien und Kindertagesstätten ansetzen muss. In der Schule sollte Medienpädagogik durch alle Schulstufen verpflichtend Teil des Unterrichts sein und auch die außerschulische Jugendarbeit muss die Auseinandersetzung mit Medienpädagogik als kulturellem Experimentierfeld, aber auch als präventivem Jugendmedienschutz realisieren.

3. Medienpädagogische Themen sind eine kontinuierliche Forschungsaufgabe.

Auf dem Hintergrund der Digitalisierung ist es bedeutsam, die Folgen für die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland und insbesondere für Kinder und Jugendliche zu erforschen. Hierzu ist es notwendig, einen regelmäßigen Austausch zwischen Forschungsinstitutionen auf allen Ebenen in Deutschland anzuregen. Die Forschungsergebnisse müssen Grundlage für neue Konzepte der Medienbildung und Medienpädagogik sein.

4. Medienkompetenz-Vermittlung muss aktuelle Handlungsfelder bearbeiten.

Dabei geht es besonders darum, Eltern und Familien zu unterstützen. Besondere Problemlagen müssen bearbeitet werden, wie zum Beispiel exzessive Mediennutzung, Mobbing, etc.

Insgesamt muss Medienpädagogik für politische Teilhabe sorgen und aktuelle Themen, wie Datenschutz und Persönlichkeitsrechte in die pädagogische Bearbeitung mit aufnehmen.

5. Die Professionalisierung der Medienpädagogik in Bildung und Ausbildung ist notwendig.

Dafür sind der Ausbau von Lehrstühlen und die Neubesetzung entsprechender Dozentenstellen unerlässlich. Neben der Integration von Medienpädagogik in alle Studien- und Ausbildungsgänge ist ein kontinuierliches Fortbildungsangebot für Pädagoginnen und Pädagogen in der Praxis zu schaffen.

6. Für die Vermittlung von Medienkompetenz braucht es verlässliche Strukturen.

Es bedarf:

Wünschenswert ist die Einrichtung eines Informationssystems bzw. einer Zentralstelle, die über Möglichkeiten der Medienbildung informiert. Darüber hinaus ist eine regelmäßige Bestandsaufnahme dessen, was an Bildungsangeboten im Kontext von Medien existiert als Folge der Bestandsaufnahme 2013 sinnvoll.

Dr. Ida Pöttinger, Vorsitzende der GMK, hebt hervor, dass Medienbildung und Medienkompetenz zentral für Kinder und Jugendliche seien. Medienkompetenz ist demnach heute mitentscheidend darüber, ob eine gesellschaftliche Teilhabe möglich ist und welche Chancen für die Einzelne, für den Einzelnen in dieser Gesellschaft existieren.

Der erste Sommertreff Medienkompetenz in Deutschland am 10. Juli in Berlin hat verdeutlicht, dass bereits eine herausragende Praxis der Medienkompetenzförderung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland existiert. Die Bestandsaufnahme zur Medienkompetenzförderung in Deutschland zeigt zudem Ansätze und Empfehlungen verschiedener Bildungsbereiche auf.

Heute kann noch nicht garantiert werden, dass wirklich jedes Kind, das gegenwärtig in Deutschland aufwächst, mit einer altersangemessenen Medienkompetenzförderung in Kontakt kommt. Diese Beliebigkeit und Zufälligkeit gilt es gerade vor dem Hintergrund von Chancengleichheit zu verhindern. Jedes Kind und jeder Jugendliche in unserer Gesellschaft hat Anspruch auf umfassende Medienbildung.

Dieses Ziel wird die GMK weiterhin verfolgen. Ein Anfang ist gemacht.

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