Medienbildung nachhaltig in der Schule verankern!, Positionspapier der GMK Fachgruppe Schule (März 2011)

Seit der Veröffentlichung des Positionspapiers der GMK-Fachgruppe Schule im Jahr 1999 haben sich die Medienwelten im "digitalen" Zeitalter verändert. Individual- und Massenkommunikation vermischen sich zunehmend. In allen Lebensbereichen sind die Medien heute noch wichtiger geworden: Sie durchdringen unseren Alltag, unser Berufsleben, unsere Freizeit und sie sind zu einem bisher nicht gekannten Ausmaß Teil von Bildung, Gesellschaft und Kultur geworden.

Die zunehmende Verbreitung multifunktionaler Medien wird besonders intensiv von Kindern und Jugendlichen genutzt und in ihre aktive Lebensgestaltung einbezogen. Sie bewegen sich dabei in einem in hohem Maße kommerzialisierten Medienmarkt.

Daher wird die nachhaltige Verankerung der Medienbildung in der Schule immer wichtiger. Gleichzeitig wachsen die Möglichkeiten für die Gestaltung der Medienbildung in der Schule. Durch ein Auseinandersetzen mit allen Medien, ihren Botschaften bzw. Inhalten und formalen Angebotsweisen, ihren Einflüssen und ihren Produktions- und Verbreitungsbedingungen können neuartige Handlungsrahmen und Kontexte für Unterricht und Schulleben erzeugt werden.

Die Fachgruppe Schule der GMK unterstützt das Medienpädagogische Manifest 1 und konkretisiert in diesem Positionspapier die notwendigen Schritte für eine nachhaltige Verankerung medienpädagogischer Angebote im Kontext schulischer Bildung.

1. Zum Verständnis von Schule und Medienbildung

Unsere gesellschaftliche Situation ist unter anderem geprägt von Globalisierung, Enttraditionalisierung und einer Beschleunigung von technischen Entwicklungen, einem immer schnelleren Wandel von Kommunikations- und Interaktionsstrukturen, die Ausbildung, Beruf, Schule und Freizeit in starkem Maße beeinflussen und die in zunehmendem Maße die Wahrnehmung, das Denken und Handeln bestimmen. Darauf muss Schule reagieren, wenn sie ihrer komplexen Funktion als zeitgemäßer Lernraum, als Lebens-, Erfahrungs-, Entwicklungs- und sozialer Handlungsraum gerecht werden soll. Bei Fragen der Schul- und Unterrichtsentwicklung muss sie sich daher immer wieder in Beziehung setzen zu den sich stetig verändernden gesellschaftlichen Bedingungen.

Die Schule muss die Voraussetzungen für eine offene, selbstbestimmte Lernkultur schaffen, die die durch Medien konstruierte Lebenswelt einbezieht und reflektiert. Dabei müssen alle Medien im Blick sein. Medienbildung muss sich als ein zentraler Bereich schulischer Bildung in unserer Gesellschaft an einem Verständnis von Lernen als "Erwerb von Kompetenzen" orientieren. Als Leitidee einer zeitgemäßen Lernkultur in der Schule gilt ein sachgerechtes, selbstgesteuertes, reflexives und kreatives Handeln in sozialer Verantwortung.

Als Mittler von Lernprozessen können unterschiedliche Medien veränderte Zugänge zu Lerninhalten eröffnen und auch zum Lernen über Medien beitragen, z.B. wenn es um die Bewertung von Informationen geht oder um die Gestaltung eigener Präsentationen. Dies muss Schule im Zusammenwirken von fachlichem und fächerverbindendem Lernen stärker berücksichtigen.

Medienkompetenz ist wesentliches Ziel von Medienbildung. In Anlehnung an die Überlegungen von G. TULODZIECKI umfasst Medienkompetenz die Fähigkeit und Bereitschaft,

Die Fachgruppe verweist in diesem Zusammenhang auch auf das "Kompetenzorientierte Konzept für die schulische Medienbildung" der Länderkonferenz Medienbildung (LKM), das ebenfalls Anknüpfungspunkte für die weitere Schulentwicklung bietet.2 Die LKM unterscheidet die folgenden Kompetenzbereiche der schulischen Medienbildung:

Im Rahmen solcher Ansätze geht es insbesondere darum,

Diese Kompetenzen lassen sich am besten mithilfe eines integrativen Konzepts schulischer Medienbildung bewältigen, wie es von der GMK-Fachgruppe Schule weiterhin favorisiert wird.

Ein integratives Konzept ermöglicht es,

Medienbildung umfasst das "Lernen über Medien" (Medienerziehung) und das "Lernen mit Medien" (Mediendidaktik). Sie schließt analoge und digitale Medien ein und bezieht sich auf einen weiten Medienbegriff, der Medienprodukte, Medieninstitutionen, Medientechnologien und Medien als symbolische Codes umfasst. Der Begriff Medienbildung verweist darüber hinaus aber auch darauf, dass Bildung heute in einer mediatisierten Welt stattfindet - das betrifft die Inhalte der Bildung, die Voraussetzungen der Bildung und die Rahmenbedingungen, unter denen sie sich vollzieht. Und schließlich macht der Begriff Medienbildung auch deutlich, dass Medien für die Bildung unverzichtbar sind: Im Prozess der Bildung eignet sich das Subjekt die Welt an und formt sich selbst. Werkzeuge und Inhalte dafür findet es in großem Umfang in den Medien.

Die Fachgruppe verweist an dieser Stelle auch auf D. SPANHEL, der Medienbildung als einen Prozess beschreibt "in dem der Heranwachsende und der Erwachsene sein ganzes Leben hindurch eine kritische Distanz zu den Medien und ihren Weiterentwicklungen aufbaut und eine Verantwortungshaltung gegenüber den Medien und im Umgang mit ihnen einnimmt.

In diesem Kontext wird dann Medienkompetenz zusammen mit anderen Kompetenzen (z.B. Sozial-, Fach- oder Selbstkompetenz) zu einer wesentlichen Voraussetzung für Persönlichkeitsbildung. Wesentlich deshalb weil ohne Medienkompetenz überhaupt keine Bildung möglich ist, weil alle Bildung auf dem repräsentationalen Denken, also auf dem Zeichengebrauch beruht. In diesem Sinne müsste Medienbildung als Teil der Allgemeinbildung gesehen werden".3

2. Forderungen auf dem Weg zur nachhaltigen Verankerung der Medienbildung in der Schule

Medienbildung ist eine grundlegende Aufgabe der Schule. Damit sie diese erfüllen kann, müssen in acht Handlungsfeldern entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden.

Die Medienbildung muss sowohl in den Bildungsstandards und Bildungsplänen der Länder als auch in den Schulprogrammen verbindlich verankert werden (2.1). Konzepte und Praxismodelle für die Medienbildung müssen entwickelt und bereit gestellt werden (2.2). Durch geeignete und verbindliche Angebote sollen die Lehrkräfte die erforderlichen Kompetenzen für die Förderung der Medienbildung in der Schule erwerben können (2.3). Sowohl für die didaktische Nutzung der Medien als auch für den Unterricht über Medien sind eine entsprechende Ausstattung der Schulen und ein professioneller Support erforderlich. (2.4). Medienpädagogische Bildungsmaßnahmen und -vorhaben bedürfen der personellen und finanziellen Unterstützung der Schul- und Kultusverwaltungen, (2.5). Des Weiteren müssen geeignete Medien für die Medienbildung in der Schule bereitstehen (2.6). Schule braucht ein flächendeckendes und ortsnahes Unterstützungssystem. Hierfür ist die Vernetzung mit außerschulischen Einrichtungen besonders wichtig. Dafür müssen geeignete Finanzierungsmodelle entwickelt und umgesetzt werden. (2.7). Und nicht zuletzt muss die Medienbildung auch in den Qualitätsrahmen und Evaluationsinstrumenten zur Qualitätssicherung berücksichtigt werden (2.8).

Diese Handlungsfelder sind vielfältig miteinander vernetzt. Isolierte Maßnahmen zur Förderung eines Handlungsfeldes oder einiger weniger Handlungsfelder reichen nicht aus.

Es geht vielmehr darum, die Medienbildung als Element von Schulentwicklung zu betrachten: zum einen können Medien in der Schule die Schulentwicklung unterstützen. Zum anderen ist die Entwicklung der Schule aber auch eine Voraussetzung, damit Medienbildung wirklich gelingen kann.

2.1 Bildungsstandards, Bildungspläne, Schulprogramme

Es ist von besonderer Bedeutung, dass auch für die Querschnittsaufgabe Medienbildung von der KMK der Auftrag erteilt wird, Bildungsstandards zu entwickeln, zu verankern und auszuweisen. Erst die entsprechenden Bildungsstandards schaffen die Voraussetzung dafür, dass die in vielen Bundesländern inzwischen bestehenden Ziele, Inhalte und Verfahren für medienpädagogisches Handeln wirkungsvoll umgesetzt werden. Denn Medienbildung ist zwar eine fächerübergreifend und fächerverbindend angelegte Querschnittsaufgabe, trägt jedoch wesentliche Merkmale einer "Domäne"; sie ist ein abgrenzbarer Gegenstandsbereich, ermöglicht spezifische Weltzugänge und ist durch ein eigenes Kompetenzmodell strukturiert. Deshalb fordert die GMK-Fachgruppe diese Bildungsstandards in den Kerncurricula der Fächer deutlich zu machen, zu systematisieren und zu ergänzen.

Schul- und Unterrichtsentwicklung ist gekennzeichnet durch eine Fortschreibung der Lehrund Bildungspläne der Länder und deren Anpassung auf neue fachwissenschaftliche und fachdidaktische Erkenntnisse. Eine nachhaltige Verankerung der Medienbildung in schulischen Bildungsangeboten erfordert deren angemessene Berücksichtigung in den curricularen Grundlagentexten der jeweiligen Bundesländer. Die Mitwirkung medienpädagogisch kompetenter (Fach-)Didaktiker ist hierfür unverzichtbar.

Alle schulischen Lernbereiche und Fächer müssen im Sinne einer Verankerung von medienpädagogischen Aufgaben als allgemeiner Bildungs- und Erziehungsauftrag aufeinander abgestimmte Konzepte zur Mitwirkung an Medienkompetenzförderung entwickeln und umsetzen. Die Fachgruppe Schule plädiert für einen fachintegrativen Ansatz. In alle Schulprogramme ist ein Abschnitt aufzunehmen, in dem das medienpädagogische Konzept der Schule und die Wege seiner Umsetzung ausgeführt werden.

2.2 Konzepte, Praxisbeispiele und Materialien für die Medienbildung

Die Fachgruppe Schule fordert, Medienbildung verstärkt in der konkreten Unterrichtsgestaltung und -entwicklung zu berücksichtigen.

Mit Hilfe von Best-Practice-Modellen, wie sie zahlreich dokumentiert sind, lassen sich anspruchsvolle und auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendliche angepasste Unterrichtsszenarien entwickeln. Besonders zur Förderung einer verstärkten Lebensweltorientierung in schulischen Lern- und Lehrformen kann die Nutzung vorhandener Materialien eine sinnvolle Unterstützung sein. Die Dokumentation und Zur-Verfügung- Stellung erprobter Modelle und gelungener Beispiele aus der Praxis, die die Gestaltung schulischer Medienbildung aufzeigen, können dazu beitragen, dass Schulen mehr als bisher voneinander lernen, Lehrer/-innen in Teams arbeiten und auf Erfahrungen anderer aufbauend zu einer besseren Qualität schulischer (Medien-)Bildung gelangen. Besondere Potenziale können hier über Internet und Social Media erschlossen werden.

Die Nutzung der zahlreich vorhandenen Konzepte, Praxisbeispiele und Materialien unterschiedlicher Institutionen für den Einsatz in Schule und Unterricht braucht eine kriterienorientierte Dokumentierung, Kommentierung und Bewertung mit Verweisen auf die jeweiligen Lehrpläne.

2.3 Lehrerbildung, Fortbildung und Beratung

2.3.1 Lehrerbildung

In der Ausbildung der Lehrkräfte müssen diese die Möglichkeit haben, die eigene Medienkompetenz und medienpädagogische Kompetenz zu erwerben. Durch ein Angebot entsprechender obligatorischer Grundlagen- und Wahlpflichtmodule muss sichergestellt werden, dass die erforderlichen Kompetenzen zur Förderung von Medienbildung sowohl in der wissenschaftlichen Erstausbildung als auch im Vorbereitungsdienst fächerspezifisch, fachübergreifend und fächerverbindend erworben werden können.

In den von der Kultusministerkonferenz beschlossenen Standards der Lehrerausbildung 4 stehen drei der dort ausgewiesenen inhaltlichen Schwerpunkte der Ausbildung in unmittelbarem Bezug zur Medienbildung: "Medienbildung - Umgang mit Medien unter konzeptionellen, didaktischen und praktischen Aspekten", "Didaktik und Methodik - Gestaltung von Unterricht und Lernumgebungen" sowie "Lernen, Entwicklung und Sozialisation - Lernprozesse von Kindern und Jugendlichen innerhalb und außerhalb von Schule". Die Fachgruppe Schule plädiert für eine Überarbeitung und Erweiterung dieser Punkte, um sie auf einen aktuellen Stand zu bringen. Dies gilt ebenso für die "Ländergemeinsamen inhaltlichen Anforderungen für die Fachwissenschaften und Fachdidaktiken in der Lehrerbildung"5

Zudem müssen im Rahmen des Vorbereitungsdienstes Fragen schulischer Medienbildung und des Medieneinsatzes bei Unterrichtsprüfungen berücksichtigt werden. Es ist ein medienpädagogischer Grundkurs zu absolvieren. In ihm muss die Möglichkeit geboten werden, die medienbezogenen Selbst-, Sozial- und Sacherfahrungen der Lehrer/-innen in Beziehung zu den aktuellen Medienerfahrungen der Schüler/-innen zu setzen. Für die Tätigkeit der in der zweiten Phase der Lehrerausbildung Verantwortlichen, z. B. Fachseminarleiter/-innen, sollte der Nachweis einer adäquaten medienpädagogischen Fortbildung obligatorisch sein.

2.3.2 Fortbildung und Beratung

Das gesamte pädagogische Personal der Schule benötigt kontinuierliche fachbezogene und fachübergreifende Fortbildungsangebote, um die Förderung der Medienkompetenz angemessen in Schule und Unterricht verankern zu können.

Unterschiedliche Fortbildungsmodelle tragen den unterschiedlichen Bedürfnissen der pädagogischen Fachkräfte und Institutionen Rechnung.

Medienpädagogische Qualitätsentwicklung vor Ort erfordert schulinterne Fortbildungen ebenso wie externe Angebote, in denen Fachkräfte im Austausch mit anderen Bildungsinstitutionen und Beratern gelungene Beispiele der Medienbildung kennen lernen. Schulinterne Fortbildungen tragen dabei in besonderer Weise zur Weiterentwicklung des Schulprofils bei und sichern deren Verankerung im Curriculum der Schule.

Staatliche und nichtstaatliche Fortbildung hat die Aufgabe, die Medienbildung in der Schule zu stärken und Schulen in der Entwicklung ihres eigenen medienpädagogischen Profils zu unterstützen.

2.4 Ausstattung der Schulen und professioneller Support

Kompetenzorientierte Förderung von Medienbildung setzt neben entsprechender Wissensvermittlung eine verstärkte Handlungsorientierung des Unterrichts voraus, d. h. unter anderem, dass Medienbildung einen Zugriff auf eine geeignete Medienausstattung in den Schulen voraussetzt. Das explizite Festschreiben und Fortschreiben von Inhalten und Zielen der Medienbildung in Rahmen- und Lehrplänen, Qualifizierungsstandards usw. darf nicht – wie bisher häufig – daran scheitern, dass es nicht zu entsprechenden Vereinbarungen zwischen den für die inneren Schulangelegenheiten zuständigen Ministerien und Senaten einerseits und den für die äußeren Schulangelegenheiten zuständigen kommunalen Schulträger andererseits kommt.

Die Medienausstattung der Schulen sollte sich an deren medienpädagogischem Konzept ausrichten (Medienentwicklungsplan). Wichtige Elemente dabei sind Breitbandzugang , Schulnetzwerk, ein bedarfsgerechter flexibel einsetzbarer Medienpool, Zugänge zu Arbeitsplätzen mit Computersystemen (Rechnerarbeitsplätzen) in ausreichender Zahl – auch außerhalb von Computerfachräumen, die Bereitstellung von Software und Lernplattformen, ein IT-Sicherheits- und Datenschutzkonzept sowie eine solide Infrastruktur für Wartung, Reparatur und Ersatzbeschaffung.

Die Schulträger werden bei fachdidaktischen und technischen Fragen von den Beratungsinstitutionen unterstützt (Ausstattungsempfehlungen, IT-Rahmenverträge, Leasing von geprüfter Hardware usw.). Dabei sind technische Neuerungen und die damit verbundenen Möglichkeiten der pädagogisch-didaktischen Weiterentwicklung von Unterricht besonders zu berücksichtigen.

2.5 Personelle und finanzielle Unterstützung durch Schul- und Kultusverwaltung

Es sind vor allem die Schulbehörden, Ministerien und die politischen Entscheidungsträger, die zum Gelingen des schulischen Bildungsauftrags beitragen, indem sie die personellen und finanziellen Ressourcen dauerhaft zur Verfügung stellen. Die Gestaltung der Medienbildung darf nicht von der isolierten Anstrengung einzelner engagierter Lehrkräfte abhängen.

In allen Bundesländern sollen speziell fortgebildete, für diesen Aufgabenbereich vom Unterricht freigestellte medienpädagogische Berater/innen eingesetzt werden.

Aufgabe der Schulträger ist es, in Abstimmung mit den Schulen und den Schul- und Kultusverwaltungen die Finanzierung der Medien-Ausstattung, des technischen Supports und der räumlichen Bedingungen für den Medieneinsatz in Schulen sicher zu stellen.

2.6 Bereitstellung von Medien

Die vorhandenen Medien und Materialien unterschiedlicher Institutionen für den Einsatz in Schule und Unterricht müssen durch online zugängliche Kataloge und Recherchewerkzeuge erschlossen und online sowie durch physische Ausleihe zugänglich gemacht werden (Mediendistribution). Dies ist die Aufgabe der Medienzentren und der Landesmedienzentren, für deren Weiterentwicklung eine angemessene finanzielle und personelle Ausstattung benötigt wird.

Da das Angebot an Bildungsmedien immer weiter zunimmt, kommt der länderübergreifenden Zusammenarbeit dieser Institutionen und der Entwicklung von Standards zur Erschließung der Medien besondere Bedeutung zu.

2.7 Flächendeckendes und ortsnahes Unterstützungssystem, Vernetzung mit außerschulischen Einrichtungen

Zur Förderung und Unterstützung der Medienbildung in Schulen ist ein flächendeckendes und ortsnahes Unterstützungsangebot erforderlich. Dies umfasst zum Beispiel die Beratung der Schulen bei ihrer Medienentwicklungsplanung, die Dokumentation und Evaluation von Praxiserfahrungen, die Kooperation mit außerschulischen Einrichtungen und die Gestaltung von Angeboten zur Medienbildung im Rahmen von Ganztagsangeboten.

Eltern und außerschulische Partner, wie z. B. Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit, Offene Kanäle, Bibliotheken, Bürgermedien sollen gleichberechtigt einbezogen und als fester Bestandteil im Schulprogramm verankert werden.

Die Partner der außerschulischen Einrichtungen gestalten zusammen mit den Lehrer/-innen ein gemeinsames Lehr- und Lernangebot, das nicht als Additiv, sondern als integraler Bestandteil von Schule und Unterricht verstanden wird.

Ein Vertrag zwischen Schule und Bildungspartner regelt dabei die erwarteten personellen, materiellen und inhaltlichen Leistungen beider Seiten. Hierzu werden Zielvereinbarungen formuliert, die die Nachhaltigkeit der medienpädagogischen Arbeit festschreiben und sichern.

Die auf längere Zeiträume ausgerichteten Kooperationen müssen finanziell u. a. durch ein selbstverwaltetes Budget der Schule abgesichert werden.

2.8 Qualitätsrahmen und Evaluation

Die Länder haben in den letzten Jahren unterschiedliche Systeme zur schulischen Qualitätssicherung und -entwicklung aufgebaut. In den Qualitätsrahmen zur Beurteilung von Schule und Unterricht, bei Schulvisitationen, Beratungen und weiteren Maßnahmen der Qualitätssicherung und -entwicklung ist die Medienbildung zu berücksichtigen.

Die Selbst- und Fremdevaluation sollte sowohl die Medienentwicklungsplanung, die medienpädagogischen Schwerpunkte und Konzepte der Schule, die Verankerung der Medienbildung im Unterricht als auch die Qualifizierung und Unterstützung der Lehrkräfte im Bereich Medienbildung umfassen.

Schulinterne Evaluationsmöglichkeiten zur Überprüfung und Reflexion der eigenen medienpädagogischen Arbeit sollten bevorzugt genutzt werden.

3. Ausblick

Die Fachgruppe Schule wird die Diskussion um die Verankerung der Medienbildung im schulischen Kontext weiter vorantreiben, ihre Positionen einbringen und in den nächsten Jahren überprüfen, inwieweit Forderungen realisiert wurden und die Medienbildung stärkere Verankerung in der Schule gefunden hat.

Ansprechpartner/-innen der Fachgruppe Schule der GMK sind:
Ilka Goetz goetz@bits21.de
Heike Wilhelm HWilhelm@schulamt-sn.bn.mv-regierung.de
Günter Thiele gathiele@gmx.de
Stand: 20.06.2011

Anmerkungen

1 Die Fachgruppe Schule der GMK führt hier insbesondere den einleitenden Abschnitt des Manifests an:
"Die Verschmelzung der alten und der neuen Medien, ihre zeit- und ortsunabhängige Verfügbarkeit (Laptop und Handy) sowie der Zugriff zum Internet eröffnen den Menschen neue Lern- und Erfahrungsbereiche. Medien bieten Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung und zur kulturellen und gesellschaftlichen Teilhabe. Darüber hinaus liefern Medien wichtige Deutungsangebote, Identifikations-, Orientierungs- und Handlungsräume. Sie sind eine kontinuierlich verfügbare Ressource für Identitätskonstruktionen von Heranwachsenden. Gleichzeitig bringen sie auch neue Entwicklungs- und Sozialisationsprobleme sowie gesellschaftliche Risiken mit sich. Diese reichen von ethisch fragwürdigen Medienangeboten über soziale Benachteiligung bis hin zu fahrlässigen Formen des Umgangs mit (digitalen) Medien. Gerade der Umgang mit persönlichen Daten in der Internetkommunikation offenbart in letzter Zeit gravierende Fehlentwicklungen. Medienkompetentes Handeln setzt fundierte Kenntnisse über die verschiedenen Medien voraus: Kenntnisse über technische Grundlagen und ästhetische Formen, über die Bedingungen und Formen medialer Produktion und Verbreitung in der Gesellschaft, ein Bewusstsein für die kulturell-kommunikative, ökonomische und politische Bedeutung, die Medien in globalisierten Gesellschaften haben. Medienkompetenz zielt auf die Fähigkeit zur sinnvollen, reflektierten und verantwortungsbewussten Nutzung der Medien. Hierzu gehören u.a. die Fähigkeit zu überlegter Auswahl, zum Verstehen und Interpretieren medialer Kodes, zu einer reflektierten Verwendung von Medien in Freizeit, Schule und Beruf. Das aktive und kreative Gestalten mit Medien für Selbstausdruck, für die Artikulation eigener Themen, für Kontakt und Kommunikation ist ein weiterer, zentraler Bereich von Medienkompetenz. Schließlich fördert Medienpädagogik die Medienkritik, die sich sowohl auf die gesellschaftliche Medienentwicklung als auch die (selbstreflexive) Mediennutzung und die eigene Gestaltung mit Medien bezieht. (...)"
[Auszug aus dem Medienpädagogischen Manifest "Keine Bildung ohne Medien"]

2 Vgl."Kompetenzorientiertes Konzept für die schulische Medienbildung", LKM-Positionspapier, Stand 01.12.2008, online verfügbar unter http://www.laenderkonferenz-medienbildung.de/LKM-Positionspapier.pdf | Letzter Zugriff am 12.06.2011

3 http://www.mediaculture-online.de/fileadmin/bibliothek/spanhel_medienkompetenz/spanhel_medienkompetenz.pdf, S. 6f.| Letzter Zugriff am 12.06.2011

4 http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2004/2004_12_16-Standards-Lehrerbildung.pdf , S. 6 | Letzter Zugriff am 12.06.2011

5 http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2008/2008_10_16-Fachprofile-Lehrerbildung.pdf | Letzter Zugriff am 12.06.2011